Vietkow

Vietkow – Manfred´s Heimatdorf

(von Manfred Pollex)

Der historischen Dorfform nach ist Vietkow ein kleines Gassendorf. Es erscheint 1282 erstmals als Wicesouo in einer Urkunde, mit der der Pommerellenherzog Mestwin die Dotation seines Vaters Swantopolk für die Stanislaus-Kirche in Garde erneuerte. In preußischer Zeit gehörte es zu den sogenannten königlichen Dörfern, die dem Amt Schmolsin unterstanden.

Nach 53 Jahren zurück nach Hause
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(Bildquelle: Manfred Pollex)

 

Heimat, was ist das? Wo ist das?

Von der Heimat reden eigentlich nur die Menschen, die sie verloren haben, aus welchen Gründen auch immer. Was ist Heimat? Ist es ein Ort oder eher ein Gefühl? Ist es ein Platz der Geborgenheit, ist es eine Heimstadt, eine heile Welt, ist es eine Beziehung zwischen Mensch und Raum? Ist es der Ort, das Land wo ich geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin? Oder ist es das Land in dem meine Väter lebten? Oder ist es hier, wo ich jetzt wohne?

Die Jüngeren unter uns haben das Zuhause in Pommern nicht gekannt und vermissen es auch nicht. Die Älteren haben sich scheinbar mit dem Verlust ihres Elternhauses zuhause in Pommern abgefunden und reden auch nicht mehr darüber. Einige Wenige wecken die Erinnerungen mit erlebten Geschichten, sehnsuchtsvollen Gedichten und Liedern: Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn … oder, wenn ich den Wandersmann frage: wo gehst Du hin? Nach Hause, nach Hause, spricht er mit frohem Sinn… Auf die Frage: “Wo ist dein Zuhause?” haben viele keine richtige Antwort.

Viele die ich kenne legen Heimat damit aus, dass diese dort sei, wo auch die berühmte Wiege stand. In diesem Zusammenhang ist das Wort Heimat heute doch eher etwas Altmodisches, etwas lächerlich vielleicht, etwas, das heutzutage eigentlich auch gar nicht mehr gebraucht wird. Nicht alle werden so denken. Manche sind sehr mit ihrer Heimat verbunden; durch die Sprache, durch Lebensgewohnheiten, durch Traditionen und Gebräuche, durch Mitmenschen und auch durch Familienforschung. Besonders auch diejenigen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können.

In Deutschland hat das Wort Heimat einen bitteren Beigeschmack bekommen; durch Kriege, durch Vertreibung, durch Fremdenfeindlichkeit. Heute nach den vielen Jahren ist der Verlust der Heimat nicht mehr so schlimm. Aber damals, als man den vertrauten Umkreis verlassen musste, als die Landschaft unbekannt wurde und man erst nach dem Weg fragen musste, als die Mitmenschen eine andere Sprache sprachen, waren es auch nur kleine Abweichungen vom heimatlichen Dialekt oder Tonfall, vor allem aber, wenn die Menschen einen als einen Fremden betrachteten, mit Neugier und Abwehr oder auch mit hilfsbereiter Zuwendung, dann merkt man erst, dass man in der Fremde war.

Im glücklichsten Fall kann man sich Heimat als einen Raum vorstellen, der Geborgenheit und Sicherheit gibt und doch ausreichend groß ist, der für andere und Unbekanntes offen ist. Viele Menschen haben dieses Glück nicht. Heimat ist doch etwas, was für die meisten Menschen immer schon positiv da ist, als frühkindlicher Schutz und Gewöhnung, Geborgenheit, aber auch eine besondere Art an Reichtum.

Die Gemeinde Vietkow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern

Allgemeines

Die Gemeinde Vietkow war Anfang der 1930er Jahre eine Landgemeinde im ehemaligen Kreis Stolp in der Provinz Pommern. Der Gemeinde Vietkow stand ein Gemeindevorsteher vor, der keinen eigentlichen Sitz hatte. Die Gemeinde Vietkow war eine Gebietskörperschaft mit einer Flächengröße von 4,8 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen gab es 6 Wohnorte, von denen der Hauptwohnort Vietkow für die Landgemeinde namensgebend war. An allen Wohnorten standen zusammen 74 bewohnte Wohnhäuser.

Lageplan von Vietkow
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Kartenanfertigung von Tanja Thode

Die 6 Wohnorte in der Gemeinde Vietkow waren:
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Kartenanfertigung von Tanja Thode

 1. Erlental

2. Karlshof

3. Lupinenberg

4. Oberdorf

5. Unterdorf

6. Vietkow

Bevölkerung der Gemeinde Vietkow

Die Gemeinde Vietkow hatte 1925 eine Wohnbevölkerung von 341 Einwohnern, von denen 161 männlich (47,2 %) und 180 weiblich (52,8 %) waren. Es lebten somit im Durchschnitt 4,6 Einwohner je Haus bzw. 71 Einwohner auf einem km². Die Bevölkerung in der Gemeinde Vietkow wohnte in 74 Haushaltungen (4,6 Einwohner im Haushalt bzw. 1 Haushaltungen je Wohnhaus).

Mit 340 Protestanten (99,7 %) war 1925 die große Mehrheit der Einwohner in der Gemeinde Vietkow evangelischen Glaubens. Darüber hinaus gab es in Vietkow 1 Katholiken (0,3 %) aber keine Juden.

Verwaltung der Gemeinde Vietkow

Eine Landgemeinde war eine Gebietskörperschaft auf der untersten Verwaltungsebene. Der Gemeindeverwaltung stand ein auf 6 Jahre gewählter Gemeindevorsteher vor. In den 1930er Jahren wurden die Gemeindevorsteher dann als Bürgermeister bezeichnet. Zudem gab es einen Gemeinderat. Für die Ortspolizei der Gemeinde Vietkow war der Amtsvorsteher des Amtsbezirks Virchenzin zuständig. Das für die Gemeinde Vietkow in Liegenschaftsangelegenheiten zuständige Katasteramt war in Stolp. Für die Verwaltung der Steuern von Vietkow war das Finanzamt in Stolp zuständig.

Die Gemeinde Vietkow gehörte zum Bezirk des Amtsgerichts in Stolp. Das zuständige Arbeitsgericht war in Stolp. Die zuständige Landwirtschaftskammer war in Stettin. Die zuständige Handwerkskammer war in Stettin. Die zuständige Industrie- und Handelskammer war inStolp. Das zuständige Gewerbeaufsichtsamt war in Stolp. Das zuständige Oberbergamt war in Halle a. S..

Familienforschung in der Gemeinde Vietkow

Die evangelischen Bewohner der Gemeinde Vietkow gehörten zum Kirchspiel Schmolsin. Das katholische Kirchspiel war in Stolp. Das Standesamt befand sich in Virchenzin.

Adressbücher in der Gemeinde Vietkow

In der Datenbank pommerscher Adreßbücher sind 51 Einträge aus 8 Adreßbüchern mit Daten für die Gemeinde Vietkow vorhanden. Die 19 unterschiedlichen Nachnamen und die jeweiligen Zeiträume zwischen 1864 und 1939 sind auf den Seiten der einzelnen Wohnorte aufgelistet. In der Pommerndatenbank kann man nach allen Daten und Familiennamen in Pommern suchen (www.pommerndatenbank.de).

Pommernkontakte in der Gemeinde Vietkow

Bisher haben sich für die Gemeinde Vietkow schon 8 Forscher an dem Projekt beteiligt und 9 unterschiedliche Nachnamen eingetragen. Die Nachnamen und konkreten Zeiträume sind auf den Seiten der Wohnorte aufgelistet. Direkt bei den Pommernkontakten ist eine Namenssuche in allen Daten möglich.

Literatur

1. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Pommern. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Oktober 1932. Berlin: Preußisches Statistisches Landesamt, 1932., S. 87

 

 

Kreisstadt Stolp

Kleiner Auszug aus dem Stadtplan Stolp um 1940
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Kartenanfertigung von Tanja Thode

 

Kleine Geschichte zu dem Krankenhaus in Stolp

Meine 11 Geschwister sind alle zu Hause in Vietkow im Ehebett geboren, aber im Januar 1942 war meine Mutter krank, und mein Vater brachte sie im hohen Schnee mit dem Pferdeschlitten nach Stolp ins Krankenhaus.

Im Mai 2000 bin ich in das hintere Gebäude gegangen zur Entbindungsstation. Ich habe meinen Ausweis gezeigt, da stand ja: Geboren 1942 in Stolp / Pom. Aber der Arzt hat mich erst nicht verstanden, er ging rein und als er wieder kam, sagte er: “Hier nix Frau Pollex”. Er dachte ich will meine schwangere Frau besuchen.

Ich habe ihm dann mit Händen und Füßen klar gemacht, dass ich 1942 hier Baby war. Dann hat er verstanden. Er hat mich rein gelassen und hat alle Schwestern gerufen. Er hat ihnen erklärt wer ich bin. Danach hat er mir alle Mütter und die Babys gezeigt, sein Arbeitszimmer und auch wo er in der Nacht schläft. Das war eine große Freude. So war das.

Das Krankenhaus in Stolp

(Im Krankenhaus Stolp wurde Manfred Pollex im tiefverschneiten Januar 1942 geboren)

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Bleistiftzeichnung von Tanja Thode

Zeitungsartikel vom Krankenhaus in Stolp

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(Autor – siehe im Artikel unten)

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(Autor – siehe im Artikel unten)

(Zeitungsartikel wurden mir freundlicher Weise von Wolfgang Noffke zur Verfügung gestellt)

Heimat ist aber mehr. Es sind ganz viele Faktoren, die in früher Kindheit das Empfinden zur Heimat prägen. Zum einen ist es die Umgebung. In meinem Fall das kleine Bauerndorf Vietkow, auf halbem Wege zwischen Stolp und der Ostsee gelegen. Eine weite flache Landschaft, charakteristisch mit Heide und Ginster, mit Birken und Tannen bewachsen, dazwischen bestellte Äcker und Wiesen. Eine unbefestigte Dorfstraße trennt geduckte kleine Höfe, mit Scheunen und Stallungen.

Zum anderen ist es die Sprache, besonders aber die Arbeit und die Gebräuche der Bewohner, die den täglichen Rhythmus bestimmen. Alle diese Wahrnehmungen sind tief in uns verwurzelt, wir haben sie mitgenommen in die heutige Welt. In den ersten Nachkriegsjahren waren meine Eltern immer noch mit einem Schritt zu Hause. An den Abenden wurde immer von zu Hause up platt vertellt, von unserem Viehzeug, von dem Korn –oder Kartoffelfeld, von Nachbars Lisbeth, von Kritschen Anna, von dem Müller Emil Voll und was wohl aus ihnen geworden sein mochte.

Irgendwann begann einer zu Summen, vertraute Heimatlieder wurden gesungen, andachtsvoll, sehnsüchtig und anklagend. Wir alle mochten diese Stunden der Erinnerung und Besinnung. Es herrschte eine wohltuende Geborgenheit im Raum, so, als hätte es all die Strapazen der Vertreibung nicht gegeben. Dieses tiefe Gefühl Heimat, kann nur nachempfinden, der es wie wir, so erlebt hat. Man sagt: die Zeit heilt alle Wunden, und es ist auch die Zeit, die Tag um Tag, Jahr um Jahr den Schritt zur alten Heimat vergrößert.

Die neue Umgebung, die neuen Verpflichtungen, die neuen Nachbarn verdrängen zwangsläufig zumindest tagsüber unsere Sinne an zu Hause. Ich werde meine Gedanken an meine Heimat nicht ablegen, was aber ist mit meiner Frau und meinen Kindern. Ihnen gefallen die alten Geschichten, die wir Geschwister bei Familientreffen erzählen, aber sie so empfinden wie wir, können sie nicht. Zweimal im Jahr treffen sich fünf Pollex-Geschwister bei mir zu Haus, lachen und scherzen, singen und träumen ein Stück Heimat aus vergangener Zeit. Und so wird unsere schöne pommersche Heimat mehr und mehr zu einem schönen Bild, zu einer fernen Vorstellung und irgendwann, zu einem Traum.

Was ist bei Dir von unserer Heimat geblieben?

Ein erster Spaziergang durch unsere Kreisstadt Stolp

 

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(Bildquelle: Manfred Pollex)

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(Bildquelle: Manfred Pollex)

 

Was bedeutet uns Heimat in Pommern und was wissen unsere Kinder und Enkelkinder darüber?

Auf die Melodie unseres Pommernliedes haben unsere Eltern auch die Verse des 1817 in Koblenz verstorbenen Dichters der Befreiungskriege, Max von Schenkendorf gesungen:

Freiheit, die ich meine,
Die mein Herz erfüllt,
Komm mit deinem Scheine,
Süßes Engelsbild!

Magst du nie dich zeigen
Der bedrängten Welt?
Führest deinen Reigen
Nur am Sternenzelt?

Wo sich Gottes Flamme
In ein Herz gesenkt,
Das am alten Stamme
Treu und liebend hängt;

Wo sich Männer finden,
Die für Ehr und Recht,
Mutig sich verbinden,
Weilt ein frei Geschlecht.

Es erfüllt mich mit tiefer Trauer und Wehmut, wenn ich lese, was den Enkelkindern unserer Vorfahren in der Zeit des kalten Krieges im Westteil unseres Landes von dieser Heimatliebe und Freiheit gelehrt wurde: Das unsere Eltern und Großeltern nach oft missglückter Flucht durch die Vertreibung 1947 „endlich in Freiheit gekommen sind“

Wir Pommern haben 1947 nicht nur unsere Heimat, sondern vor Allem unsere Freiheit verloren!

Aber in unseren Herzen werden wir Beides auf Ewig besitzen!

 

Ich bin an der Lupo geboren,
ganz hinten im Pommernland,
an sagenhaften Mooren,
wo meine Wiege stand.
Dazwischen liefen Bäche,
und Flüsse hin und her,
die Leba war die Größte,
die Leba lief ins Meer.
Und weil die Leba größer,
als all die anderen war,
da war es mir als Junge,
verständlich nie und klar,
warum auf den Atlanten
sie nicht verzeichnet war.
Warum ich nicht die Leba
in meinen Büchern fand.
Doch als ich groß geworden
und sah der Ströme viel,
den Tiber und den Niger,
den Ganges und den Nil,
gewann ich andere Maßen
und merkte nun zuletzt
ich hatte meine Lupo als
Kind wohl überschätzt.

Unser Zuhause in Vietkow, jetzt auch zu sehen im Muzeum Slupsk

 

In unserem schönen Pommernland,
sich auch das Dörfchen Vietkow fand.
Ein Dorf, wie alle anderen auch,
nur mit ‘nem ganz besonderen Hauch!

 (von Lothar Pigorsch aus Vietkow)

In Vietkow

Der Hufeisenfund in Vietkow

(von Tanja Thode)

Während seiner Pommernreise besuchte Manfred mit seiner Familie selbstverständlich auch sein Heimatdorf Vietkow und den noch bestehenden Hof seines Großvaters Albert Schiewer.

Hof von Albert Schiewer
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(Quelle: Manfred Pollex)

Auf dem Hof von Albert Schiewer
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(Quelle: Manfred Pollex)

Das Toilettenhäuschen
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(Quelle: Manfred Pollex)

Die jetzigen Besitzer begrüßten ihn freundlich und er durfte sich alles anschauen. Bei näherer Betrachtung der dazugehörigen Felder, fiel Manfred ein altes Hufeisen auf, was er aufhob und an sich nahm.

Hufeisenfund
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(Quelle: Manfred Pollex)

Dann geleitete man ihn in die alte Werkstatt und er durfte dort dieses Hufeisen wieder richten. Sichtlich erfreut legte er Hand an.

In der Werkstatt
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(Quelle: Manfred Pollex)

Er durfte das Hufeisen behalten und nahm auch etwas Vietkower Erde mit in seine 2. Heimat.

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(Quelle: Manfred Pollex)

In der damaligen Heimat Angekommen…

Muskn´s Kinder in Vietkow

  angekommen

(Bildquelle: Manfred Pollex)

Im Oktober 2008 besuchen Pigorsch`s die alte Heimat

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Die Chaussee trennt das Oberdorf
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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Hier wohnten Patarren und Pigorsch

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

1940 wohnten in unserem Dorf folgende Familien:

(nach Aufzeichnungen von Walter Pigorsch)

 

Arnold Karl die Düffelmoaker
Bonnke Walter Krutbuck (Gärtner)
Czirr Gerhard
Eick Adolf Buhr Schiewre Adolf
Eick Albert Buhr Schiewre Albert
Eick Karl Buhr Schiewre Karl
Eick Karl vom Zlumock, Kleie Karlke
Eick Martha Buhr Schiewre Martha
Eick Otto
Goldmann
Griechen Herta
Griechen Willi
Gruhlke Franz
Heratsch Richard Schmädsch Richard
Hermann Lehrer
Hoppen Richard Schlorkser
Howald Hedwig
Knitter Karl
Kritsch
Kropp Karl Kruppe Rohl
Kropp Max
Lüttke Willi dei Leutnant
Manske Paul
Marschke August Rinnen August
Martelock Reinhold
Martelock Wilhelm
Marz Herbert
Masch Wilhelm
Noffke Erich
Pigorsch Albert Reetze Albert, Lupinebargsch Albert
Pigorsch August Kreigersch August
Pirr Karl Gasthaus Röske
Pollex Johann Ull Schult
Pollex Lebrecht Rittmeistersch Lebrecht
Pollex Willi
Prien Gustav
Reetz Paul dei Tänebräker
Schaar Margarete
Schiewer Adolf Hilbranten Adolf
Schiewer Adolf Lipken Adolf
Schiewer Albert Behrschen (Beerzen) Albert
Schiewer August Lipken August
Schiewer Franz Lipken Franz (Johnken Hof)
Schiewer Gerhard Grachallen Gerhard
Schiewer Gottfried Kujaken Gottfried
Schiewer Gustav Grachallen Gustav
Schiewer Hermann Behrschen Hermann
Schiewer Karl Bagdonksch Karl
Schiewer Max Lipken Max
Schiewer Max Pataren Max
Schiewer Reinhold Stawischen Reinhold
Schiewer Walter Dischers Walter, Hubel
Schiewer Werner Pataren Werner
Schiewer Wilhelm Bagdonksch / Schniedersch Wilhelm
Schiewer Wilhelm Klicken Wilhelm
Tschirr Wilhelm Melkfoahrer
Voll Emil Windmühle
Warnoch Herbert
Warnoch Wilhelm
Woggon Otto
Zorr Richard

(Quelle: Lothar Pigorsch)

Windmühle
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Bleistiftzeichnung von Tanja Thode

 

Vietkow – Oberdorf

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 Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Hof von Manfred´s Großvater Albert Schiewer
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(Bildquelle: Manfred Pollex)

Dorfstraße im Oberdorf
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(Bildquelle: Manfred Pollex)

 

Unser Supermarkt in Vietkow

 Aufnahme Lupinenberg
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(Quelle: Lothar Pigorsch)

Diese Erde gab uns alles was wir brauchten – doch ohne Fleiß “jaff dat nischt tau eeten”!

 

Erinnerst Du Dich noch…

an diese unbeschwerte Zeit, die ja nur deshalb so interessant war, weil andauernd irgendwo was los war, wie z. B. Torfstechen, Holzhacken, Mähen, Dreschen, Heuen, Pflügen, Tuffle sammeln, Stall misten, Melken, Buttern, Backen, Gänse schlachten, Rupfen, Federn schleißen, Betten mit Gänsedaunen füllen, Räuchern, Kerzen machen, Schweineschlachten, Pökeln, Wurst machen, Kaffee rösten, Flachs brechen, Haspeln, Spinnen, Schafe Scheren, Gänse, Schafe, Kühe hüten, Nesseln für Kücken pflücken und Fische aus Garde (zu Fuß) holen, Weben, Stricken, Wollsachen färben, Seife kochen, Wagen schmieren, Harkenzinken schnitzen und Harke reparieren, Besen binden, Sense kloppen, Haare schneiden, Singen und, und, und ………. beten!

Wer das nicht kennt und liebt, weiß auch nichts von Pommern!

Torfstechen

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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Holz sägen

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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Schnitzen
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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Wäsche waschen

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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Wäschemangel

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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Waffeln backen

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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Gänse schlachten u. rupfen

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Roggenernte in Vietkow

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Gestern Spiel – heute Arbeit

Ein kleiner Bauernhof mit Grenzertragsland im hinterpommerschen Dorf Vietkow musste die ganze Familie ernähren. Dafür war es notwendig, dass alle nach Kräften mitarbeiteten.

Mutter und die Großeltern waren den ganzen Tag beschäftigt, um das Land zu bestellen, das Vieh zu füttern, zu melken, Milch zu Butter und „Blaumilch“ zu trennen, Dickmilch in der Sonne auf dem Küchen – Fensterbrett für das Abendbrot anzusetzen und Quark in einer Mull – Windel abtropfen zu lassen, der dann nach der Außenarbeit mit Zwiebeln, Pfeffer und Salz als Brotaufstrich verarbeitet auf dem Tisch stand.

Brot und Kuchen wurden im eigenen Steinbackofen hergestellt.

Backofen
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(Bildquelle: Gerald Gräfe)

Leinsaat wurde gesät, damit Flachs und Leinöl hergestellt werden konnte, was unbedingt auf dem Hof benötigt wurde, um Weißwäsche selbst zu fertigen. Webstuhl, Spinnrad und alle zum Anfertigen der Arbeitsgeräte notwendigen Gerätschaften mussten einsatzbereit gemacht und unterhalten werden.

Da wir kein elektrisches Licht hatten, war es notwendig, Kerzen herzustellen und für Petroleum zu sorgen. Selbst die Seife zum Waschen wurde auf dem Hof aus Schlachtabfällen und verendeten Tieren hergestellt.

Mein Vater war meist nicht zu Hause; er war mit dem Filmwagen auf den Dörfern Hinterpommerns unterwegs, um Propagandafilme vorzuführen, so dass er für schwere Arbeiten auf dem Hof nicht zur Verfügung stand.

Wie konnte man zu dieser Zeit den Familien – Nachwuchs aufziehen? Ganz einfach!

Die Kinder waren bereits als Säuglinge mit bei der Arbeit. Bei schönem Wetter war alles auf dem Feld oder im Garten beschäftigt. Wenn der (die) Kleine anfing nach Nahrung zu plärren, setzte sich die auf dem Feld mitarbeitende Mutter mit ihm gemütlich an den Feldrand und säugte ihn (sie). Dann kam eine Kaltwasser – Reinigung am Sedelbach und eine neue Windel um den Hintern. Bei gutem Wetter wurde dann der Brautschleier über das Körbchen gedeckt, um Fliegen, Wespen pp. abzuhalten. Die Arbeit konnte weiter gehen.

Sobald man laufen konnte, wurde die Sache zunächst etwas kritischer, denn auf die ständig in Bewegung befindlichen Welteroberer neben der Arbeit aufzupassen und ihnen auch noch die Richtlinien der Alten einzutrichtern, nahm doch erheblich Arbeitszeit in Anspruch.

Wie von selbst wurden dann alle für Kinder lösbaren Problem auf diese übertragen:

Ich durfte Torf und Holz aufstapeln, Geräte holen und wegbringen, Nägel gerade klopfen und sortieren, den Hof harken, Hühner, Gänse, Enten, Truten füttern, Im Backofen getrocknetes Obst in den Kopfkissenbezug sammeln, der dann als „fette Beute“ in der Speisekammer am Nagel im Deckenbalken hing.

Da ich da aber später nicht heran kam, stopfte ich mich mit Trockenbirnen (mein Lieblingsobst) jedes Mal voll, bis dem „Nudelkönig“ schlecht wurde. Noch lieber als die bisher erwähnten „Spiele“ interessierte ich mich für das Holzhacken, was dann auch von Opa beaufsichtigt (ab dem 5. Lebensjahr) mit „aower hau di nich inne Finger!“, kommentiert wurde. Dazu schreibe ich aber eine eigene Geschichte.

Im grünen Wald – da wo die Drossel singt,
wo im Gebüsch das muntre Rehlein springt,
wo Tann´ und Fichten stehn am Waldessaum,
verlebt ich meiner Jugend schönsten Traum.

 (Von Lupinebargsch Lothar – Lothar Pigorsch)

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

Familie Eick und Manzke
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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

Vietkow Unterdorf

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 Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Durch die Drifft ins Unterdorf…

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Kammchen

Die Wiesen von Kammchen gehörten zum Hof von Muskn Willi. Nun erhebt der Mann von Hildegard Pollex oo Knaebel seinen Anteil am Erbe dieser Wiesen. Deshalb habe ich bei unserem Besuch im Jahre 2000 ein A4 großes Stück aus den Wiesen ausgeschnitten und es ihm mit einer Echtheitsurkunde wohlverpackt nach Morgenville USA-Staat New Yersey geschickt. Dort wächst es nun weiter und hat sich wohl verbreitet.

Manfred und die Wiese

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(Bildquelle: Manfred Pollex)

Wiedergefunden

Nach dem Krieg und einigem hin und her landete unsere Familie in Radebeul bei Dresden. Ich erinnere mich, dass uns oft eine alte Frau besuchte, die auch aus Pommern war. Sie war die „Knittfru“ und wurde „Stawischen Mama“ genannt. Immer wenn sie zu uns kam, packte sie ihr Strickzeug aus und sprach mit meiner Mutter von „Tuss“. Sie konnte stricken ohne groß hinzusehen, die Nadeln wirbelten nur so. Wer Stawischen Mama wirklich war, wusste ich damals noch nicht. Sie starb am 23. Mai 1958 in Glehn /NRW im Alter von 70 Jahren.

Im Jahre 2004 besuchte ich meine Verwandten in Solingen und erfuhr, dass im Ort ein Alfred Schiewer wohnt. Meine Mutter ist eine geborene Schiewer, also war ich neugierig und besuchte ihn. Wir hatten uns viel zu erzählen, denn er stammte wie ich aus Vietkow. Ich erzählte auch von meinen früheren Erinnerungen an Stawischen Mama. Da wurde Alfred auf einmal ganz hellhörig. Es stellte sich heraus, vor mir saß der Sohn von Stawischen Mama, die Frau des Bürgermeisters von Vietkow, Stawischen Reinhold (Schiewer). Na, das war eine Freude! Alfred, Jahrgang 1924, hat mich mit Fragen förmlich überschüttet, er wollte alles ganz genau von seiner Mutter wissen und machte sich eifrig Notizen. Ja, so war das.

Die Schiewer-Geschichte aufgeschrieben von den Stolper Familienforschern

Der Name unseres Dorfes ist abgeleitet von Witsowo „ Siehe, eine Hütte“

Wer diese Hütte baute, ist nicht überliefert, aber wenn man feststellt, dass im Dorfe zum Kriegsende 17 Familien den Namen Schiewer trugen und damit dreimal so viele Familien diesen Riesenclan bildeten wie z.B. Eick oder Pollex, liegt die Vermutung nahe, dass die Finder wohl Schiewer, oder vielmehr Schiefer hießen?

Im Folgenden seien die Bauern und Kossätenhöfe aus dem 18. Jahrhundert aufgeführt:

 

1. Der Bauernhof “Berschig”, Besitzer im Jahre 1735 Mathes Schiefer.

2. Der Bauernhof “Bator”, Besitzer im Jahre 1735 Fork (?) Jaschob.

3. Der Bauernhof “Jahnke”, Besitzer im Jahre 1745 Christian Lüttke.

4. Der Bauernhof “Schiewern”, Besitzer im Jahre 1745 Martin Eick.

5. Der Bauernhof “Lüpken”, Besitzer im Jahre 1745 Michael Eick.

6. Der Bauernhof “Grocholl”, Besitzer im Jahre 1725 Michael Lüttke.

7. Der Bauernhof “Knjack”, Besitzer im Jahre 1745 Michael Pigorsch.

8. Der Kossätenhof “Rennje” (?), Besitzer im Jahre 1748 Michael Jaschob.

9. Der Kossätenhof “Lecken”, Besitzer im Jahre 1761 Martin Marschke.

10. Der Kossätenhof “Jaschob”, Besitzer im Jahre 1764 Michael Woggon.

Entnommen: aus “Ostpommersche Heimat”, 1937

10 Jahre vor Mathes Schiefer hatte Michael Lüttke den Bauernhof „Grocholl“, der sich später Gargallen Hof nannte, „gefunden“!

Also letzten Endes doch Schiewer, wie wir sehen werden.

Schiefer, von althochdeutsch scivaro (Holz Steinsplitter); mittelhochdeutsch schiver(e) (Stein- Holzsplitter);mittelniederdeutsch schiver (Schiefer, Schindel)

 Woher kamen denn die Schiefer, Schiver, Schiveren, Schiewer?

Hier gibt es doch gar kein spaltbares Gestein, sondern Moor, Dünensand und ein paar Findlinge, die bei der letzten Eiszeit aus dem Norden hier abgelagert wurden.

Die seit dem 12. Jahrhundert begonnene Ostbesiedlung hatte auch die Schiewers aus den „Schieferlanden“, (der Eifel, dem Hunsrück oder dem Sauerland – nach Aussage von Karl Hermann Schiewer lassen sich drei unabhänige Familien Schifer aus dem Harz zurück verfolgen) nach Hinterpommern „gelockt“, aus der Gegend also, wo noch heute gespalten und geschindelt wird.

In ihrer neuen Heimat fanden sie solche Materialien nicht. Hier waren die Lehm – Holzfachwerkhäuser mit Schilfrohr oder Stroh gedeckt.

 

Schiewer Adolf Lipken Adolf
Schiewer Adolf Hilbranten Adolf
Schiewer Albert Behrschen (Beerzen) Albert – Vater meiner Mutter
Schiewer August Lipken August
Schiewer August Lipken August
Schiewer Franz Lipken Franz (Johnken Hof)
Schiewer Gerhard Grachallen Gerhard
Schiewer Gottfried Kujaken Gottfried
Schiewer Gustav Grachallen Gustav
Schiewer Hermann Beerzen, Beerschen, Birschen Hermann
Schiewer Karl Bachdonksch Karl
Schiewer Max Pataren Max
Schiewer Max Lipken Max
Schiewer Reinhold Stawischen Reinhold
Schiewer Walter Dischers Walter (Hubel)
Schiewer Werner Pataren Werner
Schiewer Wilhelm Klicken Wilhelm
Schiewer Wilhelm Bagdonksch Wilhelm

(von Lothar Pigorsch)

Unsere älteste aus Vietkow war Hedwig Schiewer geb. 13. Nov. 1912, sie wurde über 100 Jahre alt und starb am 28. Jan. 2013. Über 200 verwandte Schiewers meiner Mutter sind bislang namentlich hier erfasst.

Hast Du auch mal jemand aus Deiner alten Heimat wieder getroffen?

 Der Hof Wegner in Alt – Gutzmerow
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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

 

 Lupinenberg

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  Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Weg zum Seldelbach
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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 Ingrid Seddig – Lothar Pigorsch und Wächter
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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

Was haben wir eigentlich auf dem Lupinenberg alles gespielt?

(schrieb Lothar seiner Schwester Gudrun zum 60. Geburtstag)

 

- Wir erfanden tolle Spiele

- Maikäfer sammeln und in der Zigarrenkiste herumschleppen

- Nach dem Regen oder im Regen: Im Hohlweg Staudämme bauen. Ich rieche noch die schaumige   Pferdeäpfelbrühe. Das Wasser war aber schön warm.

- Pilze suchen in der 1. Schonung; der Wald war zu unheimlich

- Blumensträuße pflücken am Feldrand und am Weg: Kornblumen, Kornraden, Taglichtnelken, Lupinen; auf der Wiese vor dem Bach: Knabenkraut, Kuckucksblume und Bachnelkenwurz.

- Von der Kante am Sandberg nach unten rutschen.

- Ball werfen auf das Dach: Wächter fängt den Ball.

- Höhlen auf dem Heuboden bauen.

- Mit Oma zum Brunnen und Wasser holen, runter gucken und hinein schreien fand ich gut, „Cho dor wech, wenn du rinnfillst, versippst du.“

- Am Wiesenrand sitzen und Opa beim Mähen zugucken. Dabei Kränze „fummeln“.

 Honig aus angemähten Hummelnestern lutschen.

 Von Oma einen Zuckerlappen holen. „Zuckerpungel“

- Ich weiß nicht, ob du an den Bach durftest, aber Wächter (unser Hund) wollte da immer wieder hin zum Krebse fressen, die ich ihm mit dem Gabelstock gefangen habe.

- Mit Puppen haben wir auch gespielt.

Schulaufnahme 1928 – Vietkow

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Hattest Du jemals Langeweile?

Bei Gewitter die Badewanne von Alma holen fand ich gar nicht gut: „Himmeldonnerwetter“ habe ich geschrieen, weil Oma aus dem Fenster guckte und lachte. Ich kam nicht dazu, irgendetwas zurück zu schreien, weil der Blitz ganz in der Nähe einschlug. Sofort hatte ich die Wanne über den Kopf gehoben, da Oma schon ein paar Mal gerufen hatte und ab ins Haus.

Damit wir nicht zu übermütig wurden, weil ja keiner viel Zeit hatte – so wie heute – mit den Kindern Freizeitgestaltung zu organisieren., erzählten uns Oma, Opa und Mutti (Großtante Seddig), Mama, Ingrid und Brunhilde zum Abend Geschichten.

Meistens war es irgendwas, was uns die Haare hochjagte (zumindest mir): Geister in Bäumen am Hohlweg, die ich dann auch im Schummern sah oder Weihnachtsmänner, die Kinder holen und im Sack wegschleppen. Vielleicht haben wir das nicht so überzeugend gefunden. Jedenfalls erinnere ich mich an ein Weihnachten, wo sich nach dem Verhauen mit der Rute sogar 2 Weihnachtsmänner bei Alma gekloppt haben, wer uns im Sack wegholen darf. Auch „Ausschmuckostern“ war angedroht. Zum Osterwasser holen durften wir noch nicht mit.

Bei der Gelegenheit fällt mir auch wieder Omas Mittelfinger ein, den sie immer etwas vorschob, um mit der gichtigen Hand an irgendwelche Verbote zu erinnern: „Du Heiduk“ ober „Ull Unnosel“. „Ick war di helpe, du Dietschke“, sagte sie dann ohne laut zu werden und klopfte eindrucksvoll aufs Schädeldach. Als die V2 durch unsere Bäume krachte und sich ein Stück weiter in den Berg schob, hatte ich die Hosen gestrichen voll. Ich hatte auf dem Hof gestanden und wie versteinert dem komischen Flieger nachgestarrt.

In der Flugrichtung sah ich einen roten Lappen im Birnenbaum. Fasane flogen aufgeschreckt mit lautem Geschrei davon, genau wie ich zu Oma in die Küche. Sie hätte mir hundert mal erzählen können, dass das „Rote„ kein Blut war. Für mich stand das aber fest. Auch heute denke ich bei Fasanengeschrei oder Rebhuhn-Flügelschwirren an den „Ganzkörperpelz“ auf dem Lupinenberg.

Kurze Zeit später kamen Soldaten auf Motorrädern, mit Geländewagen und Tieflader, sperrten alles ab und holten das betongefüllte Testgeschoß ab.

Eigentlich sollte die V2 (V1?) in die große Wanderdüne bei Leba einschlagen, denn der hinterpommersche Küstenstreifen war insgesamt als Zielgebiet festgelegt worden.. Nach diesem haarsträubenden Erlebnis habe ich nicht mehr so gern auf dem Rücken liegend den nach Königsberg und Danzig fliegenden Bombern nachgeschaut, zumal man nachts den Geschützdonner der Flak und das Wummern der Bomben hörte und Mama uns erzählt hatte, dass der Donner nicht Gewitter war.

Dann kamen die Kinder aus dem Raum Berlin nach Hinterpommern zu Erholung, da Berlin bombardiert wurde. Eines dieser Mädchen hat mir wohl besonders gefallen, denn ich bastelte eine Puppe, die ich Ihr in einem Zigarren – Bett stolz entgegenhielt. Sie nahm das wunderbare Geschenk aber irgendwie total genervt an und knallte es vor mir auf den Hof. Weg war sie . Vor Wut habe ich erst einmal geheult. Ob Mädchen von da an für mich „irgendwie blöd“ waren weiß ich nicht mehr, aber es muß mich wohl tief getroffen haben, denn aus lauter Vorsicht und Angst, daß ich falsch landen könnte, kam ich bis zur Schulentlassung nur wenig aus der „Kasperphase“ heraus.

Martin Schiewer besuchte dieses Häuschen

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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Bertha Pigorsch (Reetz)

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 Albert Pigorsch

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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 Gudrun Pigorsch 1942
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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Lothar Pigorsch 1942
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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

…und upschrewe häd dat all Lothar Pigorsch, hier sin Vodder Walter mit de schnorrigen Geschichten von “Krischan vertellt”, und sin Fru Edith (Driese)

Walter Pigorsch

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Edith Pigorsch

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(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

 

Gefallene im 1. Weltkrieg

Denkmal

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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

1914 – 1918   Für unser Vaterland  starben aus Vietkow 

 

Leutnant Willy Eick 06.01.84 14.09.18 Frankreich
Oberjäger Gustav Eick 18.05.86 08.01.18 Italien
Sergeant Otto Reetz 21.10.87 18.06.14 Frankreich
Landwirt Max Pollex 16.08.82 27.01.17 Stettin
Uffz. Paul Heratsch 12.06.92 29.03.18 Frankreich
Landser Hermann Schiewer 18.10.74 21.05.16 Russland
Obermaat Paul Hasse 02.12.86 03.11.14 England
Gefreiter Franz Marschke 18.11.83 30.08.18 Frankreich
Sergeant Bernhard Pigorsch 06.04.81 21.09.18 Frankreich
Ugefr. Leo Prien 02.08.92 08.11.14 Griechenland ?
Musketier Hermann Prien 05.03.93 06.08.15 Russland
Landwirt Otto Czirr 09.04.83 20.05.15 Russland
Gefreiter Werner Czirr 08.12.83 31.10.17 Spandau
Grenadier Walter Pigorsch 25.08.98 10.08.17 Frankreich
Landser Fritz Jost 17.02.89 12.04.18 Frankreich
Landser August Klick 01.07.83 08.07.17 Vietkow
Gefreiter Albert Martellock 07.12.85 17.11.14 Russland ?
Offizier Erwin Schaar 01.03.93 30.07.14 Frankreich
Jäger Otto Kropp 08.07.93 21.12.15 Lauterburg ?
Musketier Willi ? Eick 23.02.92 unleserlich unleserlich
Musketier August Pigorsch 11.01.90 28.03.15 Russland
Musketier Gerhard Schaar 01.02.91 28.05.15 Russland

EHRE EUREM ANDENKEN

Erschaffen hat das Denkmal Otto Driese

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 (Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Nähere Informationen zu Otto Driese und dem Dorf Vietkow finden Sie auf:

http://www.pommern-pomorze.de

 

Vietkow – Zietzen

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 Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Vietkow – Zietzen

zietzen-strasse

(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

zietzen-haus

(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

Vietkow Karlshof

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  Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Vietkow Erlental

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 Kartenanfertigung von Lothar Pigorsch

Flucht und Vertreibung

Wobei Flucht das Eine und die Vertreibung das Andere war und mit der Flucht nichts zu tun hatte!

Die Vertreibung – Umsiedlung von ca. 14 Millionen Deutschen östlich der Oder wurde von den Siegermächten 1945 in Potsdam beschlossen. Für die Flucht und die damit verbundenen grausamen Schicksale sind deutsche fanatische Führer-Anhänger verantwortlich!

Fern der Heimat irrt als Flüchtling
in der Ferne ich umher,
und die meisten meiner Lieben,
ach, ich find sie nimmermehr.

Dort wo Kiefernwälder rauschen,
Dort, ach dort, bin ich zuhaus,
Wo die Lupo leis sich schlängelt
steht mein liebes Elternhaus.

Nicht alles ging verloren, so blieb diese Druckplatte von Vietkow erhalten:

 

vietkowword

(Bildquelle: Lothar Pigorsch)

…und ausgedruckt zeigt sie uns nicht nur die Lage und Wege, sondern auch die einzelnen Gehöfte mit ihren Besitzern

 

Ihr Freunde, jetzt versteht ihr auch
das Wort von dem besonderen Hauch
und deshalb kann ich auch indessen
mein liebes Vietkow nicht vergessen.

(Manfred Pollex)

Mädchen aus Pommern um 1900
maedchen-aus-pommern-tt-001

Bleistiftzeichnung von Tanja Thode

 

(Einen herzlichen Dank an Lothar Pigorsch, Wolfgang Noffke und Gerald gräfe für die zur verfügung gestellten Karten, aufzeichnungen und fotografien)

 

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